Am Ende würden die Beschäftigten dabei sogar noch draufzahlen, da die Arbeitgeber die Arbeitszeit auf 40 Stunden verlängern wollen.
lese ich auf Verdi.de.
40 Stunden. Ah-ja. Die waren für mich am Donnerstag vormittags beim zweiten Frühstück am Schreibtisch in der Kanzlei vorbei. Die zweiten 40 Stunden beschließe ich dann am Sonntagnachmittag. Dann ist aber endlich Wochenende. Ein paar Stunden jedenfalls.
selbst|stän|dig (adj): Man arbeitet selbst und ständig.
Ich beschwere mich ja nicht, mir macht das Ganze ja auch noch Spaß, selbst nach 12 Jahren noch. Umsoweniger Verständnis kann ich aufbringen für diese gewerkschaflich organisierten Geiselnehmer.
O. g. Verständnis will sich bei mir auch nicht so recht einstellen. Und es ist ja nicht gerade so, daß das Verhalten der Dienstleistungsverweigerungsvereinigung da helfen würde.
Wie alle immer „Hurra“ schreien, wenn sie für weniger Stundenlohn arbeiten gehen dürfen.
Wenn ich für das gleiche Geld länger arbeiten darf, dann soll man sich freuen?
Komische Einstellung
Ah-Ja. Geht’s noch?
Wenn Sie fuer sich meinen Montag bis Samstag
je 12 und am Sonntag auch nochmal 8 Stunden
fuer Recht und Gerechtigkeit im Einsatz sein
zu muessen ist das eine Sache. Aber den von
ver.di vertretenen Arbeitnehmern das „Recht“
gegen eine faktische Lohnsenkung zu
protestieren ins Laecherliche/Groteske zu
ziehen ist etwas anderes. Sie sind sicher
der vorbildliche Arbeitgeber ihrer
Steuerfachangestellten und
Rechstanwaltsfachangestellten, der mit
einer mindestens der amtlichen (vielleicht
sogar der „gefuehlten“) Inflationsrate
ausgleichenden jaehrlichen Gehaltserhoehung
dafuer sorgt, dass sich die Lebens/Finanz-
Situation ihrer Angestellten nicht
verschlechtert, vielleicht durch eine darueber
liegende Erhoehung sogar verbessert.
Aber vielleicht ist das „working poor“ auch
schon in der Rechtsanwaltszunft angekommen –
und der taegliche Bedarf laesst sich mit
einem 38,5 Stunden Job nicht mehr
erwirtschaften. Na denn – Arbeitszeit um
mickrige 3,9 Prozent erhoehen – bei Ihnen
bleiben da am Sonntagnachmittag nicht mehr
nur ein paar Stunden Wochenende uebrig,
sondern nur noch ein paar Minuten.
Wird Ihnen sicherlich auch noch die naechsten
12 Jahre Spass machen.
Der von Ihnen verwendete Begriff
„gewerkschaflich organisierten Geiselnehmer“
und der von ihrem Berufskollegen? verwendete
Begriff „Dienstleistungsverweigerungsvereinigung“
finde ich dermassen daneben, dass ich nicht
darauf eingehen moechte.
Und noch ein paar Zeilen off-topic:
Ist nicht das Gebiet auf der sich ihre Kanzlei
bewegt/spezalisiert hat. Aber trotzdem. Wirft
einen Blick auf das Verstaendnis/Gebaren der
Rechtsanwaltszunft.
„Das Mietverhaeltnis beginnt am xx.xx.xxxx und
endet fruehestens zum yy.yy.yyyy.“
Diese Formulierung ist bestimmt nicht einem
Nicht-Juristen eingefallen. Sollte einem
Nicht_Juristen, Mieter, ohne
Rechtschutzversicherung vorgaukeln, dass er
eigentlich einen Zeitmietvertrag abgeschlosen
hatte. Eigentlich ganz einfach: vor
yy.yy.yyyy kommt keiner aus dem Vertrag raus;
aber ansonsten ist der unbefristet. Hat mich ca.
800 DM gekostet, ohne Vertretung durch einen
Rechtsanwalt habe ich mich nicht vors Gericht
getraut. Was mir jetzt fuer Begriffe fuer
diese Zunft einfallen, bleibt Ihnen ueberlassen.
Tja, ius est vigilantibus, und eben nicht für Vertreter Ihrer Zunft.
Vielleicht hätten Sie einen Teil Ihrer vielen freien Zeit, die Ihnen offenbar zur Verfügung steht, für Fortbildung nutzen sollen? Eigentlich ganz einfach …
So, nun wischen Sie sich erst mal den Schaum vom Mund.
Kunststück: Wem die Arbeit Spaß macht, der mag gerne 80 h pro Woche arbeiten. Wem es anders geht, der macht halt eine Steigerung der Arbeitszeit nur ungern mit. Es sieht nicht jeder in seiner Arbeit seine persönliche Erfüllung, und manche Arbeit ist dafür auch nicht so toll geeignet. So mancher hat auch noch etwas anderes zu tun, beispielsweise Kinder zu betreuen.
Der Eingangsbeitrag zeugt auch von einer überraschend einfachen Weltsicht: Was mir recht ist, muss auch anderen recht sein. 80-Stunden-Wochen für alle! Am besten auch gleich für BAT-VII? Oder war das anders gemeint?
Es war anders gemeint. Ich kenne mich mit den Tarifen nicht aus, weiß also nicht was dieses BAT-VII auf dem Konto des Gehaltsempfängers bewirkt.
Gehört habe ich aber, daß die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst recht sicher seien und daß die BVG-Mitarbeiter im Vergleich mit andern nicht schlecht(er) bezahlt werden.
Verwerflich finde ich es zudem, von jetzt auf gleich einen Streik vom Zaun zu brechen, nur weil einem Gewerkschaftler das Angebot des Verwalters der Steuergelder (vulgo: öffentlicher Arbeitgeber) nicht paßt. Getroffenen werden doch von solchen Kamikaze-Aktionen diejenigen, die – auch? – kein Geld haben (sonst würden sie nicht BVG, sondern Cayenne fahren).
Verzichten Sie als Strafverteidiger auch auf Möglichkeiten, die Interessen Ihrer Mandanten durchzusetzen, nur weil das letztlich ja die Staatskasse schädigt, und damit alle Steuerzahler, die ja auch nichts dafür können? Natürlich nicht!
Die Gewerkschaft ist die Interessensvertretung der Arbeitnehmer, und es ist absolut normal, wenn die Gewerkschaft alle Register zieht, um die Interessen ihrer Mitglieder durchzusetzen. Andere Machtmöglichkeiten als Streik hat sie nicht. Wie sie den Arbeitskampf führt, muss sie letztlich nur gegenüber ihren Mitgliedern rechtfertigen.
Ich warte auch nicht gerne auf einen bestreikten Bus. Allerdings sehe ich zur Zeit keine andere Methode für das legitime Interesse der Arbeitnehmer auf höhere Entgelte. Kündigen und woanders anfangen dürfte nur für wenige funktionieren, und schon gar nicht im öffentlichen Dienst (wo sollte denn ein U-Bahn-Fahrer auch sonst arbeiten?)
Der Arbeitskampf ist halt nun mal das vorgesehene Verfahren. Und man kann den deutschen Gewerkschaften im allgemeinen nun wirklich nicht den Vorwurf machen, dass sie damit inflatorisch umgingen.
Und Jobsicherheit ist auch nur ein Teil der Gesamtkalkulation, das Geld muss schon auch stimmen.
Nur zur Klarstellung: Ich selber arbeite nicht im öffentlichen Dienst und bin auch kein Gewerkschaftler.
Nachtrag, mal noch so aus Interesse, wie ist das mit den Sätzen für Rechtsanwälte, werden die regelmäßig angepasst?
Unregelmäßig. Das letzte Mal 2004 – mit Einführung des RVG. Davor galt die BRAGO unverändert so um die 10(?) Jahre.
Die Einführung des RVG im Jahre 2004 führte übrigens teilweise zu niedrigeren Honoraren. Dagegen sind aber die Gehälter der Mitarbeiter und die Mieten für Kanzleiräume gestiegen.
Wenn ich’s mir so recht überlege … ich glaube, ich trete einfach mal in einen Warnstreik …
Ja, Bundestagsabgeordneter müsste man sein. Oder Vorstand der Deutschen Bank. Da klappt das noch so einigermaßen mit den Erhöhungen, ganz streiklos :)